Das Hotel Stefaner in Tiers am Rosengarten, Dolomiten

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Die Nixe vom Karer See

Auf der Wasseroberfläche des Karersees im Eggental leuchten alle Farben: Blau, Grün, Goldgelb und Rot. Manche glauben, das mache der Glanz der Edelsteine, die am Grunde des Sees lagern. Aber diese Deutung ist nicht richtig, denn was man im Karersee sieht, das sind nicht die Farben der Edelsteine, sondern die Farben des Regenbogens. Die Dirlinger nannten den See auch „das Regenbogen-Wasser“, denn in der ältesten Dirlingerzeit soll sich folgendes zugetragen haben:

Im Karersee lebte eine wunderschöne Nixe, die häufig am Ufer saß und sang, aber sofort untertauchte, wenn jemand in die Nähe kam. Im Wald unterhalb des Berges Latemar wohnte hingegen ein böser Zauberer. Dieser hatte die Nixe einmal gesehen und beschlossen, dass sie sein werden sollte. Er begab sich jeden Tag an den See, um die Nixe zu sehen, doch diese verschwand bei seinem Anblick immer im Wasser. Manchmal wurde er deshalb so wütend, dass er ein Gewitter hinter dem Latemar heraufziehen ließ und Blitze in den See hinein schleuderte. Die Nixe konnte darüber aber nur lachen. Also begann er, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren, und verwandelte sich mit Hilfe seiner Zauberkräfte einmal in einen Fischotter. So schlich er sich an die Seejungfrau an. Diese wurde jedoch von den Singvögeln gewarnt. Die Nixe tauchte sofort unter; der Zauberer sprang nach, konnte sie aber nicht einfangen, da sie schneller war als der Fischotter. Eines Tages stieg der Zauberer, von Gram erfüllt, zum Rosengarten hinauf, wo die „Strióna“, eine mächtige Hexe wohnte. Dieser erzählte er von seinen Versuchen. Da lachte die Hexe und sagte: „Du willst ein Zauberer sein und kannst nicht einmal mit einem Nixlein fertig werden.“ Der Zauberer ärgerte sich über diese Worte und erklärte ihr, dass er bereits zwei andere Zauberer um Rat gefragt hatte, doch auch sie hätten ihm nicht helfen können.

Da gab ihm die Hexe einen Rat: „Die Nixe hat noch nie einen Regenbogen gesehen. Baue auf den Latemartürmen einen schönen Regenbogen und lass ihn mit seinem Fuße den Spiegel des Karersees berühren. Sobald die Nixe den Regenbogen erblickt, wird sie neugierig werden und wird wissen wollen, was das ist. In der Zwischenzeit verwandelst du dich in einen alten Händler mit langem, weißem Bart und einem Sack voller Goldspangen und Flitter auf dem Rücken. So näherst du dich dem Seeufer mit festem Schritt und scheinbar ohne Absicht. Dann schneidest du ein Stück des Regenbogens ab und sagst vor dich hin, dass dies das kostbare Gewebe sei, aus dem man Luftjuwelen macht. Daraufhin steckst du es in deinen Sack und lässt dabei, wie zufällig, Gold und Flitter herausfallen. Die Nixe, die solche Dinge nicht besitzt, wird neugierig werden und mit dir ein Gespräch anfangen. Da musst du ganz gelassen bleiben und ihr von den Prinzessinnen erzählen, die bei dir Luftjuwelen bestellt haben. Schließlich musst du ihr sagen, dass du allerhand Geschmeide bei dir hast, da du ein Händler seist, und du lädst sie ein, deine Waren zu besichtigen. Glaube mir, sie wird zu dir kommen.“

Der Händler stieg noch am gleichen Tage auf die Latemartürme und schuf einen prächtigen Regenbogen über dem Wald zum Karersee hinab. Sogleich schwamm die Nixe herauf und betrachtete die herrlichen Farben. Als der Zauberer dies von der Höhe aus sah, glaubte er sich seiner Sache schon sicher und rannte den Wald hinunter. Er war dabei aber so aufgeregt, dass er vergaß, die Gestalt eines Händlers anzunehmen. Als er sich dem Seeufer näherte, hörte ihn die Nixe kommen, erkannte ihn und tauchte unter.

Den Zauberer ergriff eine unbändige Wut. Er riss Bäume aus, warf Felsblöcke um sich und packte schließlich den Regenbogen und stieß ihn in den See hinein. Dann ging er in die Felsen und ließ sich nie wieder blicken.

Der Regenbogen aber zerfloss im Wasser, und seine Farben breiteten sich auf dem Seespiegel aus. Daher kommt es, dass die Wasseroberfläche des Karersees in so wunderbaren Farben schillert. Es sind nicht die Farben des Wassers, sondern die Farben des Regenbogens, der auf dem Seespiegel schwimmt.